Bellsches Telefon Sammlung MuseumKommunikation mit Strom – Telefon und Rundfunk

Wir alle nutzen elektrische Kommunikationsmedien in unserem Alltag. Die Sonderausstellung macht einen Sprung zurück zu den Anfängen zweier bedeutender elektrischer Kommunikationsmedien der Neuzeit: Telefon und Rundfunk. In der Frühzeit beider Medien spielten sich bedeutende Ereignisse in Eberswalde ab.

Im November 1877 wurde die erste Telefonverbindung des Deutschen Reichs außerhalb von Berlin eingerichtet. Sie verlief zwischen Eberswalde und Schöpfurth (heute Teil der Gemeinde Schorfheide, Ortsteil Finowfurt). Als weniger als einen Monat zuvor die ersten Fernsprecher bei der deutschen Post in Berlin ankamen, entschied sie, dass die Geräte zunächst zur Verlängerung des Telegrafienetzes eingesetzt werden sollten. Eberswalde war seit 1864 an das Telegrafienetz angeschlossen. Mit dem Telefon konnten Telegramme zwischen Eberswalde und Schöpfurth diktiert werden und kamen dadurch viel schneller an ihr Ziel. Das Eberswalder Ortsnetz entstand 1891, im folgenden Jahr wurde die Telefonverbindung nach Berlin eingerichtet. Die Ausstellung behandelt auch die Verbreitung des Telefonierens in der Bevölkerung.



Im Oktober 1909 eröffnete die Berliner C. Lorenz AG einen Versuchssender in Eberswalde. Seit 1906 erforschte sie die drahtlose Übertragung gesprochener Sprache. Um diese sog. drahtlose Telefonie weiterzuentwickeln, nutzte sie die Sendestation am Finowkanal. In Eberswalde entwickelte und erprobte Komponenten wie Pungs-Drossel, Kathodophon und Sendeanlagen gingen in die Rundfunktechnik der 20er Jahre ein. Konzerte, die Lorenz etwa 1922 bis 1925 mit Eberswalder Musikern zum Test der Übertragungsqualität durchführte, wurden auch von Privatpersonen gehört – teils vor der offiziellen Eröffnung des deutschen Unterhaltungsrundfunks im Oktober 1923. In der Ausstellung behandeln wir den Aufbau des deutschen Rundfunksystems auf organisatorischer und inhaltlicher Ebene und präsentieren Hörbeispiele der ersten 10 Jahre Rundfunk.

Mit dem Smartphone besitzt fast jede(r) Deutsche ein Multifunktionsgerät, mit dem man sowohl telefonieren als auch Radio und Musik hören kann. In dieser Hinsicht ist das Smartphone eine zeitgenössische Entsprechung der Fernsprecher und Rundfunkempfänger. Es ersetzt aber noch viel mehr vormals getrennt voneinander vorliegende Medien und Hilfsmittel. Als tragbarer, digitaler Computer kann das Smartphone zahlreichen Anwendungsszenarien gerecht werden. Mit diesem aktuellen Endpunkt einer etwa 180jährigen Entwicklung der elektrischen Kommunikationstechnik schließt die Ausstellung.

Leihgaben:

  • Deutsches Rundfunkarchiv
  • Kreisarchiv Barnim
  • Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Frankfurt am Main
  • Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mathis
  • Archive des Südwestrundfunks und des Saarländischen Rundfunks
  • Sender- und Funktechnikmuseum Königs Wusterhausen
  • Hannoverscher Fernmeldeclub v. 1995 e.V.

Die Ausstellung wurde gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und dem Landkreis Barnim.

Laufzeit: bis 29.08.2021

Abbildungen:

  • Ausstellungsbanner
  • Blick über den Finowkanal zur Versuchsstation, 1910, aus Eugen Nesper: Handbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie, Bd. 2, 1921, S. 349
  • Hörer eines Bell‘schen Telefons, 1880er Jahre, Sammlung: Museum Eberswalde, Foto: Kienzle I Oberhammer

Begleitend zur Sonderausstellung stellen wir Ihnen Orte in Eberswalde vor, die mit den Ausstellungsthemen verknüpft sind und die Sie zeitlich unabhängig und auf eigene Faust besuchen können. Mit einer Karte, die online und in der Touristinformation verfügbar ist, können Sie sich auf Spurensuche zu Eberswaldes Kommunikationsgeschichte begeben. Wo standen die ersten Telefonzellen in Eberswalde? Wer (er-)kennt das städtische Elektrizitätswerk? Was hat sich heute am ehemaligen Standort der Lorenz-Funkstation am Finowkanal entwickelt?
Die Orte sind teils fußläufig, teils per Rad erreichbar und eignen sich zum Entdecken für Jung und Alt.

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