Lernen Sie ausgewählte Objekte aus der Sonderausstellung „Kommunikation mit Strom – Telefon und Rundfunk“ kennen.

Bildnis des 5 jÑhrigen Kurt WilkeBildnis des 5-jährigen Kurt Wilke, aus der Werkstatt des Malers Prof. Arthur Fischer, Öl auf Holz, Berlin 1918, Sammlung Museum Eberswalde

Foto: Kienzle/Oberhammer

Auftragswerk des kaiserlichen Hofporträtmalers Arthur Fischer (1872–1948)

Das Gemälde zeigt einen Jungen im Alter von 5 Jahren namens Kurt Wilke. Er steht inmitten einiger Hühner und hält einen (Futter-)Eimer in der Hand. Der dargestellte Ort ist vermutlich der Innenhof des Wohnhauses seiner Eltern in der Ackerstraße 4 in Eberswalde. Kurt ist der jüngste Sohn des Käsefabrikanten Carl Wilke. Im April 1918 berichtet die Eberswalder Zeitung über einen „entsetzlichen Unglücksfall“ in der Neuen Kreuzstraße (heute: Friedrich-Ebert-Straße). Bei einem Verkehrsunfall mit der „Elektrischen“ (Straßenbahn) wird der Junge so schwer verletzt, dass er „im zarten Alter von 5 3/4 Jahren“ stirbt.

Noch im gleichen Jahr entsteht – wohl im Auftrag von Carl Wilke – im Berliner Atelier von Arthur Fischer ein lebensgroßes Bildnis des verunglückten Sohnes. In Fischers Werkstatt fertigen bis zu 30 Angestellte Porträts nach fotografischen Vorlagen. Bekannt ist Fischer vor allem durch die vom kaiserlichen Hof im Auftrag gegebenen Gemälde von Kaiser Wilhelm II.

In der aktuellen Sonderausstellung „Kommunikation mit Strom – Telefon und Rundfunk“ wird das ausdrucksstarke Gemälde zum Thema „Straßenbahn“ gezeigt.

Birgit Klitzke, Museumsleiterin

Modell RundfunkversuchsstationModell der Versuchsstation für drahtlose Telegrafie, um 1920, angefertigt von Gerhard Schablow, Eberswalde, Sammlung Museum Eberswalde

Foto: Kienzle & Oberhammer

Die Berliner C. Lorenz AG richtet 1906 eine Abteilung zur erstmaligen Erforschung der drahtlosen Übertragung von Sprache („drahtlose Telefonie“ oder „Radiotelefonie“) ein. Nach anfänglichen Arbeiten im Berliner Firmenlabor will man die Übertragung über größere Reichweiten studieren und benötigt dazu eine feststehende Sendestation. So sucht man in der Umgebung Berlins nach geeigneten Flächen und findet diese in Eberswalde am Finowkanal. Der systematische Versuchsbetrieb mit einem Lichtbogensender kann am 27. Oktober 1909 beginnen.

Über 30 Jahre lang prägt der Anblick des 70 m hohen Holzgittermastes das Stadtbild. Er ist umgeben von 16 Abspannmasten, die ringförmig im Abstand von 117 m aufgestellt sind. Außerdem wird eine Schirmantenne mit 80 m Radius aufgebaut. Das Stationshaus nahe des Hauptmastes ist eine Holzbaracke von knapp 100 qm mit Experimentier- und Aufenthaltsräumen. Außerdem gibt es einige Nebengebäude wie Schuppen. Die notwendige elektrische Energie für die Station liefert ein 400-Volt-Gleichstrom-Anschluss des städtischen Elektrizitätswerks.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs arbeitet die Firma Lorenz in Eberswalde an der Entwicklung drahtloser Sendetechnik für das Militär, insbesondere für die Marine. Von 1919 bis 1932 wird auch für zivile Anwendungen geforscht. Es sollen die Übertragungsqualität verbessert, einzelne Sender-Komponenten optimiert sowie zu Testzwecken auch Sprache und Musik von Schallplatten übertragen werden. 1932 finden die letzten dokumentierten Arbeiten in der Versuchsstation statt. Das letzte verbliebene Gebäude, das Laboratorium, wird 2012/13 rückgebaut.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

Rundfunkstudiomikrofon KathodophonRundfunkstudiomikrofon Kathodophon, C. Lorenz AG, 1924/25, Sammlung Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Foto: Museumsstiftung Post und Telekommunikation (Philipp Rachor)

Um die Tonqualität der Übertragungen zu verbessern, wendet sich die C. Lorenz AG ab 1919 verstärkt der Mikrofontechnik zu. Bis dahin benutzt man ausschließlich das Kohlemikrofon, das bereits vom Telefon bekannt ist und den Nachteil hat, dass der Klang durch Eigenresonanzen verzerrt sein kann. Das vom „Laboratorium für Kinematografie“ eigentlich für ein Tonfilmprojekt gebaute Kathodophon hat diesen Nachteil nicht. Für die C. Lorenz AG ist diese Technik von hohem Interesse, daher steigt sie als Gesellschafterin ein. Die Kooperation endet bereits 1922, aber Lorenz sichert sich den Zugriff auf das Kathodophon. Mit dem neuen Gerät führt die C. Lorenz AG mindestens 1923 bis 1925, wahrscheinlich schon früher, Musikübertragungen aus Eberswalde durch. Bekannt geworden ist die Übertragung zum Deutschen Museum am 21. Oktober 1923. Die Techniker vergleichen dabei unter anderem die Tonqualität von Übertragungen mit Musik von Schellackplatten und mit Live-Musik. Dafür engagieren sie Musiker aus Eberswalde.

Vor dem Start des deutschen Unterhaltungsrundfunks am 29. Oktober 1923 gibt es nur wenige Personen mit Empfangsgeräten, das Radiohören ist sogar verboten. Einige Abonnenten eines Nachrichtendienstes, den der Sender Königs Wusterhausen ab 1922 radiotelefonisch ausstrahlt, und einige Radiobastler mit heimlich selbst gebauten Empfangsgeräten können den Übertragungsversuchen aus Eberswalde zuhören. Diese Konzerte sind für viele von ihnen die ersten Inhalten, die sie mit ihren Radioempfängern hören. Auch aus dem Ausland sind mehrere Empfangsberichte überliefert.

Das Kathodophon wird beim deutschen Rundfunk noch einige Jahre verwendet, z.B. im Sender Leipzig, bis es ab Mitte der 20er Jahre von Bändchen-, Reisz- und Kondensator-Mikrofon verdrängt wird.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

RîhrenempfÑnger Ordensmeister2Röhrenempfänger Ordensmeister 2, C. Lorenz AG, 1928, Sammlung Museum Eberswalde und Röhrenempfänger Volksfreund 2, C. Lorenz AG, 1928

Fotos: Torsten Stapel

Anfang der 1920er Jahre basieren die Sende- und Empfangsgeräte auf der Technik der drahtlosen Telefonie, die während des Ersten Weltkriegs entwickelt worden ist. Nach dem Krieg hat die zivile Nutzung an Bedeutung gewonnen, es ist das Konzept des „Broadcasting“ (in Deutschland „Rundfunk“ genannt) entstanden: ein Sender sendet an viele Empfänger. Da mit dem Rundfunk Technik-Laien angesprochen werden sollen, werden die Empfänger so vereinfacht, dass sie in den Haushalten leicht bedient werden können.

Zunächst werden Detektorempfänger mit Kopfhörern verwendet, eine technisch simple Bauart, die schon vor dem Ersten Weltkrieg verfügbar ist und in den wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahren aufgrund ihres niedrigen Preises beliebt ist. Gleichzeitig gibt es bereits batteriebetriebene Empfänger mit Elektronenröhren zur Gleichrichtung und Verstärkung, mit denen sogar mehrere Kopfhörer oder aus dem Telefonbereich bekannte Lautsprecher betrieben werden können.

RîhrenempfÑnger Volksfreund2Da für die damals verfügbaren Röhren eine große Heizleistung erforderlich ist, werden sie außerhalb der Gehäuse platziert. Erst bei den ab 1925 eingeführten Röhren mit Oxyd- oder Thorium-Kathode verringert sich die Heizleistung. Sie können problemlos im Gehäuse verschwinden. Zuerst werden alle Radios mit Akkus oder Batterien betrieben. Indirekt geheizte Röhren ermöglichen ab 1928 auch Empfänger, die an das Stromnetz angeschlossen werden können und aus Sicherheitsgründen ein geschlossenes Gehäuse haben.

Für Radio-Interessierte mit wenig Geld bringt die C. Lorenz AG den kleinen Röhrenempfänger „Volksfreund 2“ für den in der Nähe befindlichen „Ortssender“ auf den Markt. Er kann mit Batterien und Kopfhörern betrieben oder mit Zusatzgeräten an das Stromnetz und an Lautsprecher angeschlossen werden.Das Gehäuse besteht aus Bakelit, das für die Massenproduktion besonders gut geeignet ist, weil es in verschiedenen Farben in vielfältige Formen gepresst werden kann. Ein Gerät der mittleren Preisklasse stellt die Firma Lorenz mit dem „Ordensmeister 2“ her.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

TransistorempfÑnger SternchenTransistorempfänger Sternchen, VEB Sternradio Sonneberg, 1959, Sammlung Wolfgang Mathis

Foto: Kienzle & Oberhammer

Tragbare Rundfunkempfänger werden bereits um 1930 unter der Bezeichnung „Kofferradio“ angeboten. Mit Röhren und Batterien wiegen sie zwischen 5 und 10 kg. Erst nach Erfindung und Verfügbarkeit des Transistors, der die Funktion der Röhren übernimmt, keine Heizbatterie benötigt und nur noch einen Bruchteil an Platz benötigt, verringert sich das Gewicht der Kofferradios.

Der erste Volltransistorempfänger Regency TR-1 aus dem Jahr 1954 wird als „Pocket Radio“ beworben und wiegt weniger als 0,5 kg. Das Taschenradio ist geboren.

Diesem Trend folgend werden auf der Deutschen Industriemesse in Hannover im Mai 1957 die ersten Taschenradios aus der BRD präsentiert, „Peggie“ von Akkord und „Partner 1“ von Telefunken. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse von 1959 stellt der VEB Stern Sonneberg mit dem „Sternchen“ das erste Transistor-Taschenradio der DDR vor. Das Sternchen ist international konkurrenzfähig, bis Mitte der 1960er Jahre erfreut es sich großer Nachfrage. Auch wenn die Klangqualität der Taschenradios Wünsche offenlässt, sind sie vor allem bei Jugendlichen äußerst beliebt, die sich damit von Musikgeschmack und Hörgewohnheiten der Eltern abgrenzen. Rock ’n’ Roll und Beat hätten sich ohne die kleinen tragbaren Empfangsgeräte wahrscheinlich nicht so stark durchgesetzt. Der Unterhaltungsindustrie eröffnet sich mit der neuen Technik ein ganz neuer Kundenkreis.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

SchreibtelegrafSchreibtelegraf („Normal-Farbschreiber“), um 1900, Sammlung Wolfgang Mathis

Foto: Kienzle & Oberhammer

Dank der Telegrafie sind Nachrichten nur noch minuten- oder stundenlang unterwegs, die per Zug und Dampfschiff Tage oder Wochen gebraucht haben. Ende der 1840er beginnt man, das erste strombasierte Kommunikationsnetz in Europa aufzubauen, das in wenigen Jahrzehnten zu einem weltumspannenden Netzwerk heranwächst. 1866 werden Europa und Nordamerika über ein Atlantikkabel verbunden. In Deutschland wird die erste elektrische Telegrafieverbindung 1848 von Berlin nach Frankfurt/M. angelegt. Durch Eberswalde verläuft bereits seit 1849 eine Bahntelegrafie-Linie, die die Zielbahnhöfe der Strecke Berlin–Stettin miteinander verbindet. 1858 wird eine Zwischenstation in Angermünde eingerichtet. Am 10. Juni 1864 folgt eine Telegrafiestation am Bahnhof Neustadt-Eberswalde. Es ist nicht bekannt, ob es zuvor bereits eine Telegrafiestation in Eberswalde gab.

Der Staat hat sich die Kontrolle über die Telegrafie gesichert, er erlaubt jedoch den Eisenbahngesellschaften, sie zur Organisation des stetig wachsenden Zugverkehrs zu nutzen. Die Bahn nutzt anfangs bevorzugt Schreibtelegrafen wie den hier abgebildeten. Er übermittelt die Morsesignale nicht nur, sondern fixiert sie auf einem Papierstreifen, der mit einem durch Tinte laufenden Farbrädchen im Rhythmus der Morsesignale eingefärbt wird (nach dem von Siemens & Halske 1870 entwickelten Prinzip). Im Ersten Weltkrieg nutzt auch das Militär die drahtgebundene Telegrafie zur Durchgabe von Nachrichten und Befehlen. Aufgrund der hohen Gebühren bleiben Depeschen (später Telegramme genannt) für Privatpersonen besonderen Gelegenheiten vorbehalten, etwa Hochzeiten oder Todesfällen.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

Hîrer eines Bellschen TelefonsHörer eines Bell’schen Telefons, um 1880, Sammlung Museum Eberswalde

Foto: Kienzle & Oberhammer

Die Nutzung der Telegrafie bei Reichspost und Reichsbahn erfordert ausgebildetes Fachpersonal. Eine leichter zu handhabende und günstigere Alternative zur direkten Übertragung gesprochener Sprache ist noch nicht verfügbar. Zwar entwickelt der Physiker Philipp Reis schon um 1860 ein „Telephon“, doch ist die Tonqualität noch unzureichend. Andere arbeiten mit seiner Idee weiter, darunter Lehrer und Erfinder Alexander Graham Bell mit seinem Assistenten Thomas A. Watson. Er reicht 1876 in den USA ein Patent für sein Telefon ein. Am 24. Oktober 1877 schenkt der Leiter des Londoner Haupttelegraphenamtes und gebürtiger Hannoveraner Henry C. Fisher dem deutschen Generalpostmeister Heinrich von Stephan zwei Bell’sche Telefone. Nach eigenen Tests der „Fernsprecher“ übergibt er sie Elektroingenieur Werner Siemens, der schon am 3. November 1877 einen weitgehenden Nachbau seiner Firma Siemens & Halske vorstellt. Bell hat kein deutsches Patent beantragt, daher kann Siemens & Halske ohne Lizenz die Telefonapparate für die Reichspost produzieren.

Von Stephan sieht das Telefon zunächst zum Einsatz in Fernsprechämtern vor. Mit einem Anruf sollen telegrafische Nachrichten an Poststationen außerhalb des damaligen Telegrafienetzes übermittelt werden, zu denen zuvor Boten laufen mussten. Am 12. November 1877 ist in Friedrichsberg bei Berlin das erste Fernsprechamt einsatzbereit. Am 19. November ordnet von Stephan an, weitere Fernsprechämter in den Bezirken Potsdam, Halle a. S., Magdeburg, Stettin und Berlin zu errichten. Als erstes von ihnen geht am 23. November 1877 das Amt in Schöpfurth (heute Teil der Gemeinde Schorfheide, Ortsteil Finowfurt) in Betrieb. Von Schöpfurth aus wird eine etwa 10 Kilometer lange Telefonverbindung zur Alten Post in Eberswalde (heute: An der Friedensbrücke 25) fertiggestellt – nur 31 Tage nach der Ankunft der ersten Telefonapparate im Deutschen Reich.

Solche Telefonhörer aus der Produktion von Siemens & Halske werden für die ersten Telefone in Eberswalde und Schöpfurth verwendet. Leider ist in den Unterlagen nicht verzeichnet, ob die im Museum vorhandenen Hörer aus einem der Fernsprechämter Eberswalde oder Schöpfurth stammen.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

Wandtelefon um 1900Wandtelefon, um 1900, Sammlung Wolfgang Mathis

Foto: Kienzle & Oberhammer

Generalpostmeister Heinrich von Stephan will von Anfang an auch externen Nutzern das Telefonieren ermöglichen. Die Grundlage für ein öffentliches Telefonnetz schafft er mit der Eröffnung der ersten deutschen Vermittlungsanstalt am 12. Januar 1881 in der Hauptpost Berlin-Mitte. Am 1. April 1881 geht die offizielle Berliner Stadtfernsprecheinrichtung mit 48 Anschlüssen in den öffentlichen Betrieb. Die ersten öffentlichen Fernsprecher folgen. Das Eberswalder Ortsnetz entsteht ab 1891, zu Beginn mit 17 Teilnehmern. 1892 wird eine Telefonverbindung nach Berlin eingerichtet. 1898 werden öffentliche Telefone am Bahnhof und auf dem Marktplatz installiert.

Wandtelefone wie dieses sind um 1900 gebräuchlich. Sie sind mit einer Ruftaste zur Verbindung mit dem Vermittlungsamt und einem Stielhörer ausgestattet. Das Einhängen des Hörers beendet das Gespräch. Für viele Menschen bleibt das Telefonieren lange etwas Außergewöhnliches. 1890 gibt es knapp 59.000 Telefonanschlüsse in 258 Orten, zehn Jahre später sind 247.000 Anschlüsse in Deutschland registriert. In den ersten Telefonbüchern finden sich größtenteils Geschäftsleute, Banken und Zeitungen. Privatpersonen bevorzugen herkömmliche Medien zur Fernkommunikation, beispielsweise Brief und Postkarte. Um 1900 setzen sich Telefone bei wohlhabenden Familien durch. Bis 1930 steigt die Zahl der Telefonanschlüsse in Deutschland auf rund 3,2 Millionen.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

Klinkenstecker fÅr HandvermittlungKlinkenstecker für die Handvermittlung, ab 1880, Sammlung Wolfgang Mathis

Foto: Kienzle & Oberhammer

In den frühen Jahren der Telefonie stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Reichspost die Verbindung zwischen zwei Telefonteilnehmern her. Telefonistin war einer der ersten „Frauenberufe“. Eine Person, die ein Telefonat beginnen will, meldet sich beim „Fräulein vom Amt“ und teilt ihr nach einem festgelegten Protokoll mit, welche Nummer sie zu sprechen wünscht. Die Telefonistin stellt dann mit solchen Klinkensteckern eine Verbindung zum gewünschten Gesprächspartner her. Gelegentlich achten sie auch auf die Einhaltung der Etikette.

Mit dem 1891 patentierten elektromechanischen Drehwähler des US-amerikanischen Bestattungsunternehmers Almon Strowger wird 1892 in La Porte (USA) das weltweit erste automatische Vermittlungsamt mit 92 Teilnehmern eingerichtet. Damit können Anrufer erstmals selbst eine Telefonverbindung herstellen. Große Vermittlungssysteme lassen sich aber erst mit dem 1895 patentierten Hebdrehwähler aufbauen. Er wird ebenso wie die 1896 patentierte Wählscheibe von Mitarbeitern der Strowger Telephone Exchange Company entwickelt. Die erste automatische Vermittlungsstelle Deutschlands nimmt 1908 in Hildesheim ihren Betrieb auf und nutzt dazu den in Lizenz gefertigten Hebdrehwähler. 1936 wird der Selbstwahldienst auch in Eberswalde eingerichtet. Später kommen elektronische und heute digitale Schaltungen zum Einsatz.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

Smartphone Prada LGSmartphone Prada, LG, 2007, Sammlung Wolfgang Mathis

Foto: Kienzle & Oberhammer

Im Laufe der 1990er Jahre hat sich das Mobiltelefon oder Handy weltweit verbreitet. Neben der neuartigen Möglichkeit, nicht nur zu Hause, sondern praktisch überall telefonieren zu können, verfügt das Handy bereits über einige zusätzliche Funktionen wie SMS oder Kamera. Mit dem LG Prada kommt 2007 das erste Smartphone auf den Markt – einige Monate vor dem ersten iPhone des Konkurrenten Apple. Das Smartphone ist die bisher letzte große Neuerung in der Kommunikation mit Strom.

Dieses Universalgerät ist durch seinen Touchscreen leicht bedienbar und flexibel einzusetzen. Die technische Revolution: Auf kleinstem Raum verarbeiten und speichern integrierte Schaltungen, darunter ein Mikroprozessor, gewaltige Datenmengen wie Ton- und Bilddaten, die aus dem Smartphone mal ein Telefon, dann wieder einen Audio- oder Video-Player, eine digitale Zeitung oder einen Taschenrechner machen. Möglich wird dies durch die Umwandlung all der unterschiedlichen Informationen in digitale Daten. Mit Apps und über Internetbrowser verschränkt es erstmals verschiedene, vormals voneinander getrennte Medien, was sich mit ihrer ständigen Verfügbarkeit bereits auf unser Mediennutzungsverhalten ausgewirkt hat: Fast jedes Schulkind besitzt heutzutage ein eigenes Smartphone. Menschen mit Smartphone telefonieren seltener – zugunsten von Textnachrichten oder E-Mails –, verabreden sich kurzfristiger und ihre Mediennutzung via Smartphone ist sprunghafter als mit den einzelnen Geräten. Außerdem sind soziale Medien wie Instagram oder Snapchat, die vor allem dem Teilen selbst aufgenommener Fotos und Videos dienen, durch das Smartphone überhaupt erst erfolgreich geworden.

Anja Titze, Kuratorin der Sonderausstellung

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