Adler Apotheke 14 15 2014Herzstück des Museums ist die Sammlung. Sie umfasst heute über 25.000 Objekte zur Stadtgeschichte, zur Industrie- und Technikgeschichte des Finowtals, zur Apotheken- und Medizingeschichte und zur Forstwissenschaft.

Der größte Teil der Sammlung lagert im Depot. Dort werden derzeit alle Sammlungsstücke erfasst. In den nächsten zwei Jahren zieht die Sammlung in ein neues Depot um. Dies ermöglicht eine sachgerechte Lagerung unseres wertvollen kulturellen Erbes.

Am 01.07.2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung das Sammlungskonzept des Museums. Es regelt den Erhalt, den Erwerb und die Abgabe von Sammlungsgut und benennt die Sammlungsschwerpunkte. Hierzu gehören: Stadtgeschichte von Eberswalde, Industriegeschichte, Geschichte der Lehre und Forschung, Geschichte des Gesundheitsstandortes und der Adler-Apotheke. Es bildet seitdem die Grundlage für eine gezielte Sammlungstätigkeit.

Derzeit lagert der größte Teil der Sammlung in einem Zwischenlager. Der Umzug der Sammlung in ein neues Depot ist geplant. Dies ermöglicht künftig eine sachgerechte Lagerung unseres wertvollen kulturellen Erbes.

In Vorbereitung des Sammlungsumzuges beteiligte sich das Museum Eberswalde 2021 an einer Schädlingsbekämpfung in der Dorfkirche Güstow bei Prenzlau, bei der das Kirchenschiff und über 2500 Museumsobjekte durch ein zertifiziertes Begasungsverfahren vom Holzwurmbefall befreit wurden.  

siehe Artikel (PDF): "Uckermärker Kurier am Wochenende" vom 2./3.10.2021 >>


Interessantes aus unserer Sammlungsgeschichte:


Übergabe Buckelurne

Buckelurne kehrt nach Bad Freienwalde zurück


uebergabe buckelurneBad Freienwalde.
Im Januar 1889 verfügte der damalige Landrat des Kreises Oberbarnim Theobald von Bethmann Hollweg die Gründung einer Sammlung prähistorischer Altertümer in der Kreisstadt Freienwalde, die in den ersten Jahren "Landräthliche Sammlung" hieß. Aus ihr ist das heutige Oderlandmuseum hervorgegangen, so dessen Leiter Reinhard Schmook. "Zu den ersten Objekten gehörte eine 1872 unter nicht näher bekannten Umständen in Hohenfinow gefundene Urne aus der älteren Bronzezeit." Diese hat am Gefäßbauch sieben Buckel, die an Frauenbrüste erinnern und als Fruchtbarkeitssymbole gedeutet werden. "Solche Buckelurnen sind für diese prähistorische Epoche in unserer Heimat ganz typisch. Fundorte dieser Urnen sind unter anderem Altgaul und vor allem Wriezen, wo 1957 in der Wilhelmstraße beim Ausheben einer Baugrube mehrere Gräber mit solchen Gefäßen gefunden wurden."
Die Hohenfinower Buckelurne, auf deren Rand noch der Inventarzettel von 1889 mit der Zahl 2 klebt, ist demnach das zweite Sammlungsobjekt der heute um die 30.000 Einheiten zählenden Sammlung des Oderlandmuseums. Hier wurde sie 66 ]ahre lang aufbewahrt und gelegentlich auch ausgestellt. Nach der Verwaltungsreform des Jahres 1952, als der Kreis Oberbarnim aufgelöst wurde und die Kreise Eberswalde und Bad Freienwalde entstanden, änderten sich auch die Zuständigkeiten der Museen. So lässt sich vielleicht erklären, warum der Bad Freienwalder Museumsleiter Hans Ohnesorge das gute Stück 1955 an das Eberswalder Museum abgab, denn Hohenfinow gehörte nun zum Kreis Eberswalde. Jetzt ist die Buckelurne jedoch ins Oderlandmuseum zurückgekehrt. red

Artikel in der MAZ vom 24.02.2022
Foto (Museum Eberswalde):
Übergabe in Eberswalde, Museumsleiterin Birgit Klitzke und Reinhard Schmoock, Kurator der Heyde-Stiftung


Das älteste Eberswalder Stadtsiegel?

Zur Karriere eines Siegelstempels und seines Bildmotivs Eberswalder Siegel und Wappen, Teil 1

wappen siegelEines der bedeutenden Ausstellungsstücke des Eberswalder Museums ist ein städtischer Siegelstempel, der in der Dauerausstellung in einer eigenen Vitrine präsentiert wird. Die Publikation zum 100. Jubiläum des Museums zeigt ihn gemeinsam mit acht weiteren Objekten auf der Umschlagseite und im Heft selbst ist er abermals zusammen mit einem anderen Siegelstempel der Stadt abgebildet. Das Ausstellungsobjekt ist wie folgt beschriftet: „Siegelstempel um 1300. Der Stempel zeigt das älteste Eberswalder Wappenbild: einen bewurzelten Baum, in dessen Krone ein Adler schwebt, und an beiden Seiten des Stammes einen springenden Eber.“ Die Gestaltung der ahinterliegenden Wand zeigt eine stark vergrößerte Zeichnung des Siegels mit der Erläuterung: „Große Abbildung: Stadtsiegel von Eberswalde, 1300–1327“. An anderer Stelle ist zu lesen: „Ältestes Stadtsiegel um 1300 Umschrift: SCIVITATIS EVERSWOLDE“.
Doch trifft die Ansprache als das älteste Stadtsiegel um 1300 zu? Bis auf den heutigen Tag ist es nicht eindeutig in der Siegelgeschichte der Stadt verortet. Der Beitrag unternimmt es, die Geschichte des Typars und der mit ihm verbundenen Irrungen und Wirrungen zu verfolgen und aufzuzeigen, welchen großen Einfluss es zeitweise auf die Selbstdarstellung der Stadt ausübte.

RALF-GUNNAR WERLICH
(Historisches Institut der Universität Greifswald)

aus "Eberswalder Jahrbuch, 2021", Seiten 14 - 46,  zum vollständigen Artikel als PDF >>
Foto: Ralf-Gunnar Werlich 2020


Seite 6 Koenigspaar von SiamDer Besuch des Königs von Siam in Eberswalde

Im Museum Eberswalde dokumentiert ein Fotoalbum die Reise von 1934.

Am 19. Februar 2019 hielt Hans Rudolf Frölich einen Vortrag beim Heimatkundeverein Eberswalde über ein Fotoalbum von Hans Borgelt. Zuvor hatte er die Fotografien aus dem Album in ehrenamtlicher Arbeit für das Museum Eberswalde digitalisiert. Hans Borgelt (1914-2000) verbrachte seine Schulzeit in Eberswalde und studierte später Zeitungswissenschaften in Berlin. Nebenbei arbeitete er als Fotograf u.a. für die örtliche Zeitung, den Märkischen Stadt- und Landboten. Das besagte Fotoalbum gelangte nach seinem Tod in den Besitz des Museums Eberswalde. 

Und während Hans Rudolf Frölich in seinem kurzweiligen Vortrag verschiedene Themen und Bilder aus dem Album von Hans Borgelt zeigte und erläuterte, tauchten auf einmal Bilder auf, deren Albumseite von Borgelt überschrieben war mit „Königspaar von Siam in Eberswalde und Niederfinow, Juli 1934“.

An dieser Stelle des Vortrages wurde ich sehr aufmerksam, da ich erstens bisher nicht wusste, dass ein König von Siam (heute Thailand) jemals in Eberswalde war und ich zweitens aktuell Südostasienwissenschaften und Thailändisch an der Humboldt Universität in Berlin studiere. Ich habe sofort damit begonnen, mehr über die Fotografien und den königlichen Besuch herauszufinden. Es handelt sich um König Prajathipok auch Rama VII. genannt. Er war in Begleitung von Königin Rambai Barni. Beide waren auf einer Europareise, die mit der Abfahrt aus Bangkok im Januar 1934 begann und im September 1934 in England endete. Auf der Reiseroute stand auch Deutschland im Juli 1934.

Insgesamt finden sich in dem Album acht Fotografien. Fünf davon wurden während eines Empfangs unter freiem Himmel aufgenommen, während die übrigen drei Fotos den König auf einem Schiff am Schiffshebewerk Niederfinow zeigen. Durch erste Recherchen im Kreisarchiv Barnim fanden sich vier Zeitungsartikel aus dem Märkischen Stadt- und Landboten. Aus denen geht hervor, dass der Besuch am Sonnabend, 7. Juli 1934 zur Mittagszeit an der Kreuzung Boldtstraße/ Heegermühler Straße stattgefunden hat. Anschließend ging es mit Auto weiter nach Niederfinow zum neu eröffneten Schiffshebewerk (am 21. März). Dort wurde der König mit seinem Gefolge auf dem Schiff „Kurmark “nach oben geschleust. Aber damit war der Tag in unserer Region noch nicht zu Ende.

1Nach dem Besuch des Schiffshebewerkes ging es mit Auto zurück nach Eberswalde und von dort aus weiter in die Schorfheide nach Carinhall, zum Jagdhaus von Hermann Göring, dem späteren Reichsmarschall. Dort hielt sich das Königspaar einige Stunden auf, bevor es zuletzt noch zum Werbellinsee fuhr und dort die Jugendherberge „Brunoldhaus“ besichtigte. Von den letzten beiden Stationen finden sich allerdings keine Fotos in demdem Album.

Inzwischen hat sich aus diesen acht Fotografien von Hans Borgelt aus dem Museum Eberswalde ein sehr umfangreiches Forschungsprojekt entwickelt. Ich recherchiere und rekonstruiere seitdem die komplette Deutschlandreise von König Rama VII. mit Königin Rambai Barni, die am 2. Juli 1934 in Hamburg begann und am 26. Juli 1934 in Aachen endete. Die Ergebnisse der Forschung werden künftig in meine Bachelorarbeit zum Abschluss meines Studiums einfließen. Außerdem ist eine Ausstellung zum Deutschlandbesuch von König Rama VII. im Prapokklao Museum in Bangkok im Jahr 2022 geplant.

MARTIN HOECK
Vorsitzender Verein für Heimatkunde e.V., Eberswalde


Glas in der Sammlung des Eberswalder Museums

Eberswalde 2020 0147Mit rund 600 Inventarnummern bildet die Glassammlung nur einen Bruchteil des Gesamtbestandes des Museums. Sie deckt aber mit einem abwechslungsreichen Aufbau das weite Gebiet deutscher Erzeugnisse von der Neuzeit bis in die Gegenwart ab, zudem einige Beispiele mit böhmischer Provenienz. Mundgeblasene Flaschen und Arzneigläser aus Waldglas machen die historische Ausstattung der Adler-Apotheke in der Dauerausstellung erlebbar. Ein Raum widmet sich der Rolle des Apothekers als Alchemist, der sich mit der Entwicklung neuer Arzneimittel beschäftigte. Historische Präzisionswaagen, Mörser, Destillierkolben und Regale voller gläserner Behälter spiegeln die Vielseitigkeit seiner pharmazeutischen Aufgaben. Den umfassenden stilistischen Wandel und technologischen Fortschritt vom 17. zum 20. Jahrhundert belegen archäologische Funde, veredelte Hohlgläser sowie einfaches Gebrauchs- und Verpackungsglas.

Einen Schwerpunkt bildet der umfangreiche Bestand brandenburgischer Glasmarken. Gut sichtbar an der Flaschenschulter bezeichneten diese Siegel seit den 1730er Jahren ihren Hersteller und das Jahr ihrer Produktion. Sie garantierten die korrekte Füllmenge der Glaswaren, deren Steuerfreiheit und die Erlaubnis, mit ihnen zu handeln. Die Mehrzahl wurde an den beiden ehemaligen Standorten der Choriner Glashütte gefunden und stammt auch dorther. Etliche Marken sind hingegen mit den Namen anderer regionaler Waldglashütten gestempelt. Diese verweisen auf das Einschmelzen von angekauftem Glasbruch zwecks Reduzierung der Schmelztemperatur. Das Konvolut mit rund 500 Marken gelangte aus drei Eberswalder Privatsammlungen ins Museum. Ebenfalls aus der Region ist eine blaue Vase aus dem 19. Jahrhundert, die von der Glashütte Pian/Himmelpfort bei Fürstenberg hergestellt wurde. Aus älterer Zeit hervorzuheben sind zwei qualitätsvolle Nürnberger Wappenpokale, ein großer böhmischer Schnittbecher und ein Wappenpokal mit eingeschmolzenen Rubinglasfäden im Schaft.

VERENA WASMUTH
Kunsthistorikerin
Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für europäisches Glas des 15. bis 21 Jahrhunderts


Neuzugang 2020

NeuzugangIm August 2020 erreicht das Museum Eberswalde eine Anfrage eines New Yorker Antiquariats. Die Einrichtung besitze eine signierte Bleistiftzeichnung des Klosters Chorin aus dem Jahre 1835 und biete dem Museum an, die kleine Grafik käuflich zu erwerben, heißt es in der E-Mail.

Der Bestand des Museums Eberswalde verzeichnet aktuell etwa 15 Ansichten des Klosters Chorin, darunter zahlreiche Grafiken, Aquarelle, Gemälde sowie eine Holzbildtafel. Die älteste Radierung zeigt die Klostergebäude als Druckgrafik nach einer Zeichnung, die auf den Zeitraum von vor 1827 datiert ist. Der jüngste Druck mit einer Detailansicht eines Klostertorbogens ist auf das Jahr 1980 datiert.

Der jeweilige Zustand der Gebäudetrakte und die Veränderung der umliegenden Landschaft können in den verschiedenen Darstellungen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem mittelalterlichen Kloster nähern, wunderbar abgelesen werden.

Nun erweitert sich der Museumsbestand um eine weitere Ansicht des vielfach in der Kunst dargestellten Baudenkmals. Das Museum Eberswalde freut sich über den Neuzugang, zeigt die Bleistiftzeichnung aus der Biedermeier-Zeit das Kloster aus der eher wenig beachteten südöstlichen Himmelsrichtung. Die Bildunterschrift „Die wüste Klosterruine von Chorin, bei Neustadt Eberswalde.“ unterstreicht den maroden baulichen Zustand, den das Kloster noch 1835 bot. Von etwa 1550 an wurden die Klosteranlagen in Folge der Säkularisierung immer weniger bewohnt, gepflegt und schließlich nur noch als Viehstall genutzt. Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts finden unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel bauerhaltende Maßnahmen und die allmähliche Rekonstruktion des kulturhistorisch wertvollen Baudenkmals an (Bild: Museum Eberswalde).

LISA WEDEKIND
Mitarbeiterin Museum Eberswalde


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