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Ein interessantes Stück aus der Dauerausstellung des Museums stellt das Modell eines Aufzugs für Eisenbahnwaggons dar. Das Modell dokumentiert einen Ausschnitt der Industriegeschichte der Region. Der Waggon-Aufzug stand – und steht noch heute im zerfallenen Zustand – auf dem Gelände der ehemaligen Hufnagelfabrik am Kupferhammerweg in Eberswalde. Das Modell von Christoph Scholz aus dem Jahr 2012 stellt den Aufzug im Maßstab 1:87 dar.

Im Jahr 1871 entstand am Finowkanal die Hufnagelfabrik der Fabrikanten Julius Moeller und Clemens Schreiber aus Berlin. Es handelt sich um die erste maschinell produzierende Hufnagelfabrik Europas. Das Unternehmen entwickelt sich schnell zum Marktführer im Deutschen Kaiserreich und großen internationalen Exporteur. Bis zum Ersten Weltkrieg sind rund 1.500 Beschäftigte in der Fabrik verzeichnet.

Die Hufnägel wurden per Schiff über den Finowkanal und per Eisenbahn transportiert. Das Gelände befand sich direkt an der Bahnstrecke Berlin-Stettin und war somit günstig gelegen. Ab 1908 erleichterte ein vom Maschinenbauunternehmen Borsig in Berlin entworfener Aufzug für Güterwaggons – ähnlich einer Hebebühne – die Abläufe. Die elektrohydraulische Konstruktion konnte beladene Waggons bis zu einem Gewicht von 30 Tonnen auf- und abwärts bewegen. Der zurückzulegende Höhenunterschied lag bei etwa 6 Metern. Die oben und unten jeweils eingerichteten Drehscheiben und weiterführenden Gleise sind heute nicht mehr vorhanden. Die Stahlkonstruktion des Aufzugs steht hingegen noch. Der Aufzug ist auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgeführt, ist aber dem Verfall ausgesetzt.

Die Hufnagelfabrik hielt der schwierigen wirtschaftlichen Lage der 1920er Jahre nicht stand, wurde verkauft und 1926 stillgelegt. Nach zeitweiliger Nutzung des Geländes durch die Reichsbahn, wurde es zwischen 1939 und 1945 von der Wehrmacht genutzt. Die sowjetische Administration brachte das Werk ab 1946 wieder in Gang, bis das dann entstehende VEB Nagel- und Drahtziehwerk 1971 abschließend stillgelegt wurde. Die Handelsorganisation (HO) der DDR nutzte das Gelände und die Hallen noch bis zur Wende.

Die Produktionsanlagen der Fabrik sind nicht erhalten geblieben. Lediglich die Fabrikanten-Villa von 1873 am Kupferhammerweg, das Kesselhaus mit hohem Schornstein und der Waggon-Aufzug sind noch vorhanden. Auf dem Gelände der Hufnagelfabrik soll als „Kupferhammer Quartier“ ein neues Eberswalder Wohnviertel mit 12 Mehrfamilienhäusern und etwa 260 Wohnungen entstehen. Was hingegen aus der ehemaligen Fabrikanten-Villa wird, die unter anderem zwischen den 1960er und 1980er Jahren zeitweise den Hort der Goetheschule beherbergte, ist unklar.

Der Aufzug – gewissermaßen ein „Lost Place“ – ist in seinem aktuellen Zustand derzeit als Fotografie von Lars Wiedemann in der Sonderausstellung „Innovation. Produktion. Tradition – Industriegeschichte Eberswalde“ im Museum Eberswalde zu sehen.

Anne Rinke, Geschichtsstudentin und Praktikantin im Museum Eberswalde

Waggon-Aufzug – Ein wichtiges Zeugnis der Industriekultur in Eberswalde
Hufnagelfabrik Moeller & Schreiber,
Farblithographie, um 1885, Museum Eberswalde
Modell Waggonfahrstuhl, Museum Eberswalde, Foto: Ulrich Wessolek

   
Hufnagelfabrik Waggonfahrstuhl, 2023, Fotos: Lars Wiedemann