Im Zentrum von Eberswalde an der Kreuzstraße/Ecke Kirchstraße entsteht 1910 eines der größten und schönsten Geschäftshäuser in der Stadt (heute: Haus am Markt). Es wird ein Jahr später, am 18. März 1911, als Kaufhaus für Manufaktur-, Kurz-, Weiß-, Wollwaren, Putz und Konfektion von Salomon Goldschmidt eröffnet. Salomon und Emma Goldschmidt spielen im wirtschaftlichen und politischen Leben der Stadt eine bedeutende Rolle. Salomon Goldschmidt ist Vorsitzenden des „Vereins für jüdischer Geschichte und Literatur“ und Repräsentant der jüdischen Gemeinde. Emma Goldschmidt engagiert sich unter anderem im „Vaterländischen Frauenverein“, der im Ersten Weltkrieg eine Sammelstelle zur Unterstützung Kriegsverwundeter im Goldschmidtschen Kaufhaus einrichtet.
Mit Machtergreifung der Nationalsozialisten sind die Juden in Eberswalde Repressalien und Boykotten ausgeliefert, dazu gehören auch Salomon und Emma Goldschmidt. 1939 gehen sie nach Berlin und werden von dort wie viele jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Hier stirbt Emma Goldschmidt 1944. Salomon Goldschmidt überlebt die schwere Zeit im Lager. Er ist einer von 1200 Juden, die mit dem Zug aus Theresienstadt in die Schweiz gebracht werden. In Lugano (Schweiz) lebt Goldschmidt bis zu seinem Tode 1951.
2001 schenkte Juliane Günther aus Kassel die Hutschachtel aus dem einstigen Kaufhaus für Putz- und Modewaren Salomon Goldschmidt dem Museum Eberswalde. Heute ist sie eines der wenigen überlieferten Zeugnisse jüdischen Lebens in Eberswalde, die im Museum bewahrt werden. Für die Präsentation wurde die Hutschachtel - ein Aufbewahrungsbehälter für Hüte - in der Berliner Werkstatt von Claus Schade restauriert. Die Kosten übernahm der Lions Club Eberswalde.


