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In den 1820er Jahren schuf der Eberswalder Künstler Wilhelm Dictus ein kunstvolles Relief aus Kork. Es zeigt den alten Hafen der sizilianischen Stadt Messina. Das 75 x 101 cm große Reliefbild im Schmuckrahmen befindet sich in einem verglasten Holzkasten und ist Teil der Dauerausstellung des Eberswalder Museums.

Wilhelm Dictus wird 1782 in Berlin geboren. Seit 1814 ist er Bürger von Eberswalde und seit 1815 Besitzer des Gasthauses zur Goldenen Sonne, das er zu einem der beliebtesten Gasthäuser in Eberswalde macht.  1826 erwirbt Dictus nahe des Eberswalder Gesundbrunnens ein großes Grundstück. Er gestaltet daraus eine Parklandschaft und errichtet 1833 ein eingeschossiges Landhaus, die heutige Märchenvilla. Im großen Saal der Villa präsentiert Dictus seine damals berühmten Korkschnitzbilder. Seine Fähigkeit, aus dem Material Kork so fein gearbeitete Reliefs herzustellen, wird von seinen Zeitgenossen sehr bewundert. Dargestellt sind „herrliche Gegenden und merkwürdiger Werke der alten Baukunst in Kork“. Etwa 30 solcher Korkbilder fertigt er an, verkauft sie aber nicht, sondern stellt sie lieber selber aus. 1853 verlässt Dictus Eberswalde und stirbt bald darauf im Alter von 72 Jahren.

1884 erhält die Stadt Eberswalde das Korkbild mit der Hafenansicht von Messina aus dem Familienbesitz der Nachfahren von W. Dictus geschenkt. Es wird im Sitzungsaal des Magistrats aufgehängt und später dem Eberswalder Museum zur Ausstellung übergeben. Neben diesem Reliefbild gehören drei weitere Korkschnitzbilder zum Sammlungsbestand des Museums. Die beiden Korkbilder „Schloss mit Brücke“ und „Burgruine mit Fluß“ (Dictus ?) werden im Museumsdepot bewahrt und das Bild „Römische Ruinen mit dem Grabmal der Caecilia Metalla an der Via Appia Antica bei Rom“ wird derzeit in der Märchenvilla, dem einstigen Wohnhaus von Dictus, präsentiert.

Bis vor kurzem war im Museum nicht bekannt, ob es für Dictus’ „Hafen von Messina“ eine konkrete Vorlage gegeben hat. Dann gab Dr. Christian Hirte vom Museumsverband des Landes Brandenburg den Hinweis auf den französischen Kupferstecher Jacque-Philippe Le Bas, dessen Stich „Ancien Port de Messine“ bis in viele Details hinein so große Ähnlichkeit mit Dictus’ Korkschnitzbild aufweist, dass es ihm als Vorlage gedient haben muss.

Das Korkreliefbild mit Schmuckrahmen wurde 1994 in der Berliner Restaurierungswerkstatt von Katharina & Wieland Geipel restauriert. Weitere Informationen zur Korkkunst von Wilhelm Dictus finden Museumsbesucher in der Sonderschau unter dem Thema „Verbunden: Eberswalde in Europa“, die bis zum 31. Dezember 2024 im Museum zu sehen ist.

Birgit Klitzke, Museumsleiterin

Ein kunstvolles Schnitzbild aus Kork – „Der alte Hafen von Messina“
Der alte Hafen von Messina / Korkschnitzbild von Wilhelm Dictus, 1820er Jahre
Foto: Museum Eberswalde, Lars Wiedemann