logo

Die lange Reise eines Traditionsgebäcks

Am 1. April 1832 eröffnet Konditor und Lebküchler Gustav Louis Zietemann sein Geschäft am Markt mit einem neuen Gebäck im Angebot, dem Eberswalder Spritzkuchen. Nachdem die Eisenbahnverbindung Berlin–Eberswalde 1842 eröffnet ist, liefert Zietemann seine Spritzkuchen auch zum Bahnhof. Dort verkaufen Bäckerburschen den Spritzkuchen in Tüten verpackt als süßes Souvenir an die Reisenden. Später sichert eine weitere Filiale der Bäckerei Zietemann in Bahnhofsnähe die Herstellung und Lieferung der Spritzkuchen. Die Eisenbahn trägt so den Eberswalder Spritzkuchen weit über die Grenzen der Stadt hinaus.

Bis zum Zweiten Weltkrieg ist das süße Traditionsgebäck eng mit der Konditorei Zietemann verbunden. In den letzten Apriltagen 1945 wird das Wohn- und Geschäftshaus der Familie zerstört. Nach über 100 Jahren endet damit die Geschichte des Bäckerhandwerks der Familie Zietemann in Eberswalde.

Der Spritzkuchen findet schon vor langer Zeit seinen Weg bis in die USA und hat dort den Namen „French Cruller“. Seit den 1980er Jahren ist er auch in Japan bekannt und sehr beliebt. “In Tokio gibt es sogar eine Bäckerei, die sich ganz auf den French Cruller spezialisiert hat.“, berichtet dem Museum die Journalistin Hideko Kawachi. Ein japanisches Fernsehteam begab sich im letzten Jahr auf Spurensuche, um die Geschichte des French Cruller zu erforschen. Der Regisseur stieß dabei zunächst auf ein amerikanisches Backbuch aus dem Jahr 1893 als möglichen Ursprung des Spritzkuchens. Aber seine Recherchen führten ihn schließlich auch nach Eberswalde. Im Museum Eberswalde informierte sich das Fernsehteam über die Geschichte des originalen Eberswalder Spritzkuchens anhand von ausgewählten Sammlungsstücken. Dabei erfuhr das Museum von der langen Reise des Spritzkuchens, die von Europa über Amerika bis nach Japan führte.

Birgit Klitzke
Museumsleiterin

spritzkuchen 1935    spritzkuchen
  spritzkuchen interview