Labyrinthe faszinieren die Menschen schon seit der Vorgeschichte. Das belegt die vielfache Verwendung in Kunst und Kult. Der Eberswalder „Wunderkreis“ greift das Symbol auf, dient jedoch sportlichen Zwecken: Kinder und Jugendliche sollen in dem 1609 von Schuldirektor Christoph Wachtmann angelegten Rasenlabyrinth ihre Geschicklichkeit üben. Über zwei Jahrhunderte hat das Rasenlabyrinth seinen festen Platz im Leben der Stadt. Mit der steigenden Bautätigkeit im 19. Jahrhundert wird der Sand auf dem Hausberg immer mehr abgetragen und der erste Wunderkreis von Eberswalde verschwand.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts greift Turnvater Friedrich Ludwig Jahn die Idee des Labyrinths für die Turnbewegung auf. Nach dem Vorbild des Wunderkreises auf dem Eberswalder Hausberg lässt er 1816 in der Hasenheide bei Berlin, auf dem ersten deutschen Turnplatz, einen „labyrinthartigen Wunderkreis“ zur körperlichen Ertüchtigung anlegen. Die neue turnerische Bewegung, der „Wunderkreislauf“, verbreitet sich wohl in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts auf weitere Turnplätze in ganz Deutschland. Auch in Eberswalde wird der Wunderkreis als Stätte des Sports und des Turnens wiederbelebt. Ab 1849 entsteht oberhalb der heutigen Schillertreppe ein Turnplatz unter anderem mit Lauf- und Springbahn, Ringplatz, Barren, Reck und einem Wunderkreis. Dort finden die Turnstunden für die Schüler/innen statt. Bereits in den 1890er Jahren berichtet ein Zeitzeuge im Märkischen Stadt- und Landboten: „Als ich zur Schule ging, war der Irrgarten (Bezeichnung für Wunderkreis) schon von Gräsern überwuchert, dass seine Steige nicht überall erkennbar waren, er konnte deshalb zu Wettläufen nicht mehr benutzt werden, aber einzeln vergnügten wir uns doch noch auf seinen verschlungenen Pfaden.“ Um 1910 wird der Turnplatz aufgegeben. Damit verschwand auch der zweite Wunderkreis.
![]() Der neue Wunderkreis von Eberswalde Foto: Birgit Klitzke |
![]() Zeichnung des Eberswalder Wunderkreises Aus: Carl Ludwig Philipp Schadows handschriftlicher Chronik von Neustadt-Eberswalde, 1770 |
![]() Der Wunderkreis in der Dauerausstellung Foto: Kienzle & Oberhammer |
2013 wurde die Tradition des Wunderkreises bei der Neugestaltung des Spielplatzes an der Lessingstraße wiederbelebt. Ein neues Labyrinth aus Natursteinpflaster nach historischem Vorbild entstand – der nunmehr dritte Wunderkreis in Eberswalde.
Birgit Klitzke, Museumsleiterin




